Backstage Episode 3: Songwriting



Ein Thema, das offenbar beliebt ist bei den Leuten, mit denen ich über meine Band rede, lautet: «Wie schreibst du eigentlich deine Songs?»


Nun, zuallererst muss ich dazu sagen, ich schreibe keine Songs. Das machen wir. Als Band. Der Prozess dafür ist von Band zu Band und sogar von Song zu Song unterschiedlich. Es gibt Bands, die einem genauen Prozess folgen. Sobald etwas einmal erfolgreich war, hält man an einem gewissen Konzept fest und arbeitet dieses aus. Ich habe von Textern gehört, die sich in eine gewisse Stimmung bringen müssen, an einem bestimmten Ort sein müssen oder gar unter Einfluss von gewissen Substanzen stehen müssen (Ich will hier niemandem etwas vorwerfen)


Im genauen kann ich das aber nur bei uns sagen.


Üblicherweise entsteht ein Song aus einem einzelnen Teil, sei es ein Gitarrenriff, eine Baseline, ein Rhythmus oder eine bestimmte Melodie, all das spielt keine Rolle. Mit diesem Teil kann man dann arbeiten. Im Proberaum wird daran weitergearbeitet und aus einem einzelnen Stück wird üblicherweise ein gewisses Grundgerüst geformt. Das bedeutet, Es entsteht eine Strophe, ein Refrain, eine Bridge oder ein Zwischenteil.

In den meisten Fällen kommt der Gesang erst hinzu, sobald das komplette Grundgerüst steht. Aber nur die Melodie. So wird der Song immer weiter ausgearbeitet, bis mehr oder weniger der genaue Ablauf sowie die einzelnen Übergänge stehen. Dafür wird der unfertige Song etliche Male wiederholt und er entwickelt sich somit immer weiter.

Der Text ist etwas vom letzten, das dazukommt. Wir hören uns den Song instrumental an und machen uns ein Bild, wonach der Song klingt. Denn dann braucht es noch ein Thema, das zu dem Gefühl der Musik passt. Dies geht manchmal ganz einfach, aber häufiger ist eine passende Themenfindung schwierig.


Wurde dann ein Thema gefunden, geht es los mit der Story. Ich möchte diverse Ziele mit der Story erfüllen:


1. Ich möchte immer eine Geschichte erzählen, mit der ich mich identifizieren kann und die mir persönlich nahe geht, ansonsten ist es später schwierig den Song richtig zu performen. Ich muss mich auf der Bühne jeweils immer in den Song und die Situation hineinversetzen können, was nur schwer möglich ist, wenn mir der Songtext nichts sagt.


2. Ich möchte, dass der Zuhörer sich mit der Story identifizieren kann. Dies hat für mich nicht die oberste Priorität, da ich kein Hitschreiber bin, der den kurzfristigen Charterfolg sucht. Aber auch genau deswegen ist der zweite Punkt genau so wichtig, denn wenn sich der Zuhörer nicht mit dem Song identifizieren kann, wird er nicht hängenbleiben, was schade wäre.


3. Ich versuche möglichst, unserem Stil treu zu bleiben. Dieser Punkt ist etwas schwierig zu erklären. Unsere Songs haben alle einen gewissen Stil. Sie sind, düster, erdrückend, gefährlich oder unangenehm. Aber man ist immer in der Lage den gewissen Hoffnungsschimmer durchdrücken zu sehen. Es gibt immer, dieses kleine Licht, das man durch den Nebel schimmern sieht. Man stelle sich nun also vor, ich würde plötzlich neben all diesen Songs eine triefende Liebeserklärung schreiben. Das wäre zwar möglich und ich stand auch schon diverse Male mit dieser Idee im Raum, wäre aber im Verhältnis zum Rest etwas seltsam. Wenn ich also eine Liebeserklärung schreiben möchte, verpacke ich es in eine Geschichte und gebe meinen besonderen Touch dazu. Man darf sich aber auch nicht zu sehr an bekanntes Gefilde klammern, da man ansonsten Gefahr läuft, sich nicht weiterzuentwickeln.


Wenn ich einen Text fertig habe, muss die Geschichte noch entsprechend in die bereits vorhandene Melodie eingepasst werden. Auch muss ich mir Gedanken um einen bleibenden Refrain machen, der einen gewissen Ohrwurmeffekt hat und sich den Leuten in den Schädel brennt. Um Texte einpassen zu können, spiele ich mit vielen verschiedenen Worten und mit der Rhythmik.


Der Song wird dann erneut mehrere Male gespielt und auch der Text sowie die Melodie entwickelt sich je nach dem noch weiter. Fall Probleme auftauchen, wie einzelne Töne die unharmonisch zum Rest klingen, oder einzelne Wörter kaum singbar sind, weil der Melodieverlauf es nicht erlaubt, kann es durchaus sein, dass der Song in einem relativ späten Stadion nochmal verändert wird.


Zum Abschluss machen wir uns noch Gedanken über Gitarrensoli und Samples, die dem Song eine effiziente Würze verleihen können. Wirklich fertig ist er aber erst, sobald er im Studio aufgenommen wurde, denn ab diesem Zeitpunkt kann daran nichts mehr verändert werden. Es ist aber keine Seltenheit, dass sogar im Studio noch Änderungen vorgenommen werden.


Dies war jetzt nur ein kurzer Einblick, wie ein Song entsteht. Auch wenn es nach viel aussieht, ein Song entsteht nicht mit einer Checkliste, wo abgehakt wird an was wir alles denken müssen. Das geschieht immer alles von allein, denn wir sind vier kreative Köpfe, die immer wieder neue Ideen an unseren Songs haben. All dies Geschieht mit Leidenschaft und dem Drang zur Perfektion. Schliesslich will jeder von uns am Ende sagen können: «Ja der Song ist richtig geil geworden!»